Herkunft und Bedeutung des Namens Beutler als Familienname, Flurname, Ortsname und Landschaftsname

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Eine Chronologie der schriftlichen Überlieferungen

150 – 200

Die Göttinnen Baudihillia und Beda in Inschriften aus Housesteads am Hadrianswall in Nordengland genannt. Die Stifter der Inschriften sind Friesen.
(Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie, 1984, S. 7, 42/43)

360 – 390

Der Alamanne Hariobaudes und die Franken Merobaudes, Mallobaudes und Bauto Offiziere im römischen Herr. Bauto wird römischer Reichsfeldherr und seine Tochter heiratet 395 den öströmischen Kaiser Arcadus.
(Die Alamannen, S. 119-122)

536/7 - 554

Die Brüder Butilin – auch Buccelenus genannt – und Leuthari Heerführer (Herzöge) der Alamannen unter Billigung der Frankenkönige.
(Dirlmeier, Quellen zur Geschichte der Alamannen V, S. 22)

685

Der „pagus Bautensis“ in einer (gefälschten) Urkunde erwähnt. Dieser Gau (pagus) soll laut Förstemann nach einer lokalen Göttin Beda benannt sein.
(Monumenta Germaniae dipl. Tomus I, 177)

759

In der Pfalz Bodman am Bodensee wird der St. Galler Abt Otmar von den fränkischen Grafen Ruthard und Warin inhaftiert.
(Handbuch der historischen Stätten, 6. Bd., S. 100)

786, 03.05.

Peterale (Bedra bei Horb) erwähnt, als Graf Gerold in einer in Nagold ausgestellten Urkunde eine umfangreiche Güterschenkung an Kloster St. Gallen tätigt.
(WUB 1, S. 34)

789

Budincheim (Bietigheim/Enz) erwähnt.
(Handbuch der historischen Stätten, 6.Bd., S. 83)

855

Butinga (Langenbeutingen/Hohenlohekreis) erwähnt.
(Handbuch der historischen Stätten, 6.Bd., S. 448)

907

Putlinga (Püttlingen bei Diedenhofen) erwähnt.
(Förstemann, 2. Bd., 1983, S. 502)

um 1063

Pitengouva (Peiting, Landkreis Schongau) erwähnt.
(Reg. Augsburg Nr. 302)

um 1080

Biutelsbach (Beutelsbach im Remstal) erstamls, im Zusammenhang mit der Heirat Luitgards von Beutelsbach und Konrads von Wirtemberg, erähnt.
(Handbuch der historischen Stätten, 6.Bd., S. 80)

1092, 02.05.

Butinsulza (abgegangen zwischen Pliezhausen, Gniebel und Rübgarten, in der Flur „Büttensülzer Häule“) erwähnt.
(WUB 1, 296)

11. Jhdt

Budinga (Büdingen/Buding, Moselle, Kanton Metzervisse) erwähnt.
(Schützeichel, S. 502)

um 1105

Konrad von Beutelsbach und sein Bruder Bruno, Abt des Klosters Hirsau, übergeben diesem Kloster ein großes Gut in Pfrondorf bei Nagold. Konrad von Beutelsbach hat auch Besitzungen in Döffingen, Schafhausen, Heimerdingen und Sersheim.
(Codex hirsaugiensis)

1198

Villam Budelingen (Bidlingen/Bidling inLothringen) erwähnt.
(Schüzeichel, S. 503)

2. Hälfte
12. Jhdt

Buttinwisum (Buttenwiesen, Landkreis Wettingen/Bayern) erwähnt.
(Handbuch der historischen Stätten, 7.Bd., S. 122)

um 1220

Ulrici Butiezzi als Ulmer Bürger genannt. Er hängt besitz- und sozialgeschichtlich mit dem Ulmer Butzenbrunnen und dem Ort Butzental bei Ulm zusammen.
(UUB, 1. Bd., S. 37/8)

1257

Hainricus dictus Biuteli (1265 auch Biutelär) in Kürnbach bei Schussenried erwähnt.
(WUB 5, 183)

1268

Bithenbach/Bithun (die Beutau-Vorstadt in Esslingen) erwähnt.
(WUB 6, 382)

1280, 13.06.

Berthold von Betzweiler (bei Oberndorf/Neckar) erwähnt.
(WUB 8, 229)

1283, 20.02.

Alberti de Butilshis (Bittelschieß bei Sigmaringen) erwähnt. Doch soll schon 1083 Berthold von Butelsciez beim Gründungsakt des Klosters St. Georgen genannt sein.
(Handbuch der historischen stätten, 6. Bd., S. 90)

1283, 05.03.

Luitgard von Buttelbrunn bei Weikersheim) erwähnt.
(Hohenl. Urkundenbuch I, S. 365 u. 444)

1294

Hermanus dictus Butinger, Bürger in Schwäbisch Hall. Er stammt wahrscheinlich aus Langenbeutingen.
(WUB 10, 286)

1311

Burkart Beutinger, Richter in Heilbronn/Neckar.
(HUB I, 35)

1317 – 1341

In Malterdingen bei Freiburg wird Hans Buttel erwähnt und in Wellingen ein Grundstück genannt Büttingin.
(Tennenbacher Güterbuch, Stuttgart 1969, Seite 331 und 513)

1326, 12.06.

Die Beutenmühle zu oberst an der Ammer (bei Herrenberg) erwähnt, als Albrecht der Brenner, genannt von Heimerdingen, eine Gült aus dieser Mühle an den Heiligen in Deckenpfronn verkauft.
(HSTAS, A602/9237)

1329, 27.04.

Johannes de Butteler, Marschall und Ritter Volcmarus butigularius, Bürger in Fulda.
(Hohenl. Urkundenbuch II, S. 285)

1334, 23.06.

Der Widemhof in Bettingen (Böttingen bei Ulm) erwähnt.
(UUB, 2. Bd., 1. Teil, S. 144)

1336

Putlingen erwähnt, abgegangen bei Gunzenhausen/Bayern, in den Fluren: Budling, Butlinger Weg, Butlinger Wald.
(Schützeichel, S. 333)

1347

Butelrisch (Beutelreusch bei Ulm) erwähnt.
(Alb-Donau-Kreis, II. Bd., S. 379)

1351 – 1371

Peter Butliger oder Buttigler in Kürnbach/Hohenlohe erwähnt.
(Hohenl. Urkundenbuch III, S. 357, 360, 366)

1354

Der Böttlingshof in Rottenacker/Donau als Besitz der Herren von Emerkingen erwähnt.
(Alb-Donau-Kreis, II. Bd., S. 839)

1358, 14.12.

Aberlin der Bütler in Malsheim bei Leonberg erwähnt.
(HSTAS, A602/10507)

1368, 03.06.

Iring von Butiler, Diener des Bischofs Albrecht von Würzburg.
(Hohenl. Urkundenbuch III, S. 545)

1369, 08.03.

Jose Bitterlin, Sohn des Hans Bitterlin, Bürger in Ulm.
(UUB, 2. Bd., 2. Teil, S. 688)

1401

Buttelschieß von Ebhausen bei Nagold gibt 6 Hühner von einem Gütlein, das im Mühlsgrund liegt.
(Karl Heinz Spiess, Das älteste Lehensbuch der Pfalzgrafen bei Rhein, Stuttgart 1981, S. 60)

1406, 09.08.

Des Bettingers Acker in Rotfelden erwähnt.
(HSTAS, A517/367)

1429, 02.12.

Cuntzlin Beder, in Bildechingen bei Horb erwähnt. Später gab es dort den sogenannten Bedershof.
(HSTAS, B462/108)

1432, 11.04.

Claus Butler, Bürger in Horb, stiftet einen Altar in der Marienkapelle in Bildechingen (heute Pfarrkirche)
(HSTAS, B44/88)

1445, 12.02.

Hainrich Bötyß, Meier auf dem Monhardter Freihof. Der Hof Monhardt – oppidum Monhardt (zwischen Ebhausen und Altensteig) wurde 1290 von den Vögten von Wöllhausen an das Nonnenkloster Reithin bei Wildberg verkauft.
(HSTAS, A517/247)

1453, 25.01. Berthold Püttel, Kaplan in Neuffen und sein verstorbener Bruder, Kirchherr in Dettingen, erwähnt.
(HSTAS, A602/13945)
1454 Heinrich Beuteler – auch Peutler – in Freiberg/Sachsen erwähnt.
(Freiberger Urkundenbuch III, S. 353)
1465 – 1547 Konrad Peutinger, Humanist, erscheint auch als Peyttinger oder Beutinger. Sein Geschlecht soll aus Peiting/Obb. Stammen.
1482, 21.01. Auberlin Püttelins Witwe, Bürgerin in Neuffen.
(HSTAS, A602/11398)
1493, 21.03. Hans Beutler von Weiler zum Stein (bei Backnang) erwähnt. Weiler zum Stein gehört, wie auch Erbstetten und Burgstall, in die sogenannte Biet.
(HSTAS, A602/6578)
1511 Hans Bütler in Rohrdorf bei Nagold erwähnt.
(HSTAS, H127/20, fol. 73)
1518 Hans und Conzen Bütlers Äcker in Rohrdorf bei Nagold erwähnt, außerdem peters und peterlins Weingarten. Nach späteren Quellen gab es in Rohrdorf das sogenannte Bötters, Betterles oder Moldrichs Lehen. 1528 war Hans Peutler Schultheiß in Rohrdorf.
(HSTAS, H218/Bd. 274 und 277)
1521 In dem Beutler, Flurname zwischen Oberjettingen und Emmingen, bei einer Güterbeschreibung erwähnt.
(HSTAS, A461/7, Nr. 1265)
1522 Jakob Buttel und Kakob Byter, Bäcker, in Dußlingen bei Tübingen erwähnt.
(Altwürtt. Lagerb. Teil II, S. 167)
1523 Jörg Büttel in Hohenhaslach bei Bietigheim erwähnt.
(Altwürtt. Lagerb. Teil V, S. 416)
1523 Mathis Beutl hat in Leonberg die Badstube gekauft. Bei Leonberg befindet sich auch die Beutenmühle.
(Altwürtt. Lagerb. Teil V, S. 198)
1523 Die Beut, eine Wiese bei Wart, erwähnt.
(Welt. Lagerbuch Nagold 1523, fol. 333)
1523 In Schönbronn bei Wildberg werden Äcker erwähnt, die unten „uff den büttinen graben“ stoßen.
(HSTAS, H101/N. 2103, fol. 158)
1523 In Effringen bei Wildberg werden der Pittels oder pittelins Wald erwähnt.
(HSTAS, H101/Nr. 2103, fol. 99)
1524 An der Gemarkungsgrenze Ebhausen/Rotfelden werden „Conrad püttels von Rotfelden wisen“ erwähnt.
(HSTAS, H101/Nr. 2103, fol. 69)
1525 Veit peutinger in der Oberjettinger Herdstättenliste erwähnt.
(HSTAS, A54a, St. 58)
1526 Hans Bytlers oder Bewtlers Söhne in Schnaitheim bei Heidenheim erwähnt.
(Veröffentlichung der Komission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe A, Bd. 44 –1995-, S. 325)
1528, 15.06. Merten Büttel in Weinsberg bei Heilbronn erwähnt.
(Altwürtt. Lagerbuch Teil VI, S. 545)
1528, 19.06. Lienhart Büttel in Eberstadt bei Heilbronn erwähnt.
(Altwürtt. Lagerbuch Teil VI, S. 555 – 567)
1529, 18.09. Thoman Oußwalt genannt Bittel zu Zaberfeld in Leonbronn im Zabergäu erwähnt.
(Altwürtt. Lagerbuch Teil VI, S. 372)
1531, 01.12. Hans Büttel in Siglingen bei Möckmühl erwähnt.
(Altwürtt. Lagerbuch Teil VI, S. 432)
1556 Das Beuttler Holz zwischen Wart, Gaugenwald und Martinsmoos und der Bettenberg zwischen Oberjettingen und Rotfelden erwähnt.
(HSTAS, A299/Nr. 82 und Nr. 84, fol. 199)
1616 Der Bedacker, 1620 Bedtacker, 1697 Böttacker in Rotfelder Güterverzeichnis erwähnt.
1629 Die Beitta wiß in einem Güterverzeichnis des Rotfelder Frei-Meier- und Widemhofes erwähnt.
1724 Die Beitelsteig innerhalb der Güter des Rotfelder Frei-Meier- und Widemhofes erwähnt.
1741 Im Betschle, kleine Flur auf Mindersbacher Gemarkung, in einer Hofbeschreibung des Mindersbacher Hennehofes erwähnt.

Die geographische Verbreitung und Verteilung des Orts-, Gelände- und Familiennamen auf beud

Ortsnamen auf –beud, -bad, -büd finden sich im gesamten deutschen Sprachgebiet und darüber hinaus. Das sorbische Budysin (Bautzen), das polnische Bytom (Beuthen in Oberschlesien) und die tschechichen und mährischen Budovice (Budweis und Budwitz) zeigen die weite Verbreitung, wie auch die norddeutschen Ortsnamenendungen auf –büttel (z.B. Wolfenbüttel, Isenbüttel, Hankensbüttel usw.).

Im französisch-deutschen Übergangsgebiet von Botrange im Hohen Venn, bis zu Bethoncourt in den Südvogesen, findet sich die Anfangssilbe auf büd-, bed- besonders häufig in den Orts- und Geländenamen, wobei sich die Gelände- oder Flurnamen nicht selten auf abgegangene Siedlungen zurückführen lassen. Solche Orte sind unter vielen anderen: Bitburg und Bettingen in der Eifel, Bettembourg/Bettemburg und Petange/Petingen in Luxemburg, Püttlingen im Saarland, Puttelange/Püttlingen bei Diedenhofen, Puttelange aux Lacs/Püttlingen und Bitche/Bitsch in Lothringen.

Allein schon diese Aufzählung zeigt, dass wir es hier mit einer Ortsnamenverdichtung zu tun haben und nicht mit einer gleichmäßig flächendeckenden Verteilung. Auch in Bayern und Baden Württemberg lassen sich solche verdichtete Ortsnamengruppierungen nachweisen, in denen dann auch der Familienname Beutler beheimatet ist.

Solche Verdichtungszonen gibt es vor allem im Allgäu, in Hohenlohe, am mittleren und oberen Neckar und im Hegau, während das Gebiet der Schwäbischen Alb, mit Ausnahme der beiden Böttingen bei Ulm und Spaichingen, sowie Buttenhausen und Nitz, nicht miteinbezogen zu sein scheint.

Der folgenden umfangreichen Oberschwaben-Allgäu Gruppe dürfte der bereits 1257/65 erwähnte Hainricus dictus Biuteli/Biutelär entstammen. Sie reicht von Aulendorf im Nordwesten bis Großholzleuten im Südosten, wobei die Bezirke um Ravensburg-Weingarten und Wangen-Leutkirch-Isny besondere Schwerpunkte bilden:

  • Beutels bei Aulendorf

  • Bottenreute bei Ravensburg
  • Bettenreute bei Ravensburg
  • Bodnegg bei Ravensburg
  • Bettenweiler bei Meckenbeuren
  • Bettenweiler bei Horgenzell
  • Bettmauer (röm. Kastell Vemania)
    bei Isny-Großholzleute
  • Butzenberg bei Weingarten
  • Buttenmühle bei Horgenzell
  • Betznau bei Kreßbronn
  • Beutelsau bei Wangen
  • Bietenweiler bei Wangen
  • Bettlensweiler bei Wangen
  • Bettelhofen bei Leutkirch
  • Boden bei Isny

Die Ortsnamengruppe um Wangen-Leutkirchen-Isny rückt in auffallende räumliche Nähe zu den freibäuerlichen Genossenschaften von Eglofs und auf der Leutkircher Heide. Diese freie Rechtsform können wir auch bei den bayrischen Beutellehen beobachten.

Der verhältnismäßig kleinen Gruppe um Ulm. Mit Butzental, Böttingen, Bettighofen und Beutelreusch, können wir den um 1220 erwähnten Ulrici Butiezzi zuordnen.

Größere Gruppierungen finden sich im Kocher-, Jagst- und Taubertal, zwischen Heilbronn und Würzburg, mit den entsprechenden Personennamennennungen. Direkt südlich schließt sich dann um Zaber, Enz, Murr und Rems die ausgedehnte Gruppe des mittleren Neckarraumes an:

  • Botenheim bei Brackenheim
  • Groß- und Kleinbottwar
  • Botnang bei Stuttgart
  • Bittenfeld bei Waiblingen
  • Beutelsbach bei Waiblingen
  • Die sogenannte Biet mit Erbstetten, 
    Burgstall und Weiler zum Stein bei Backnang
  • Die Beutau-Vorstadt in Esslingen
  • Beutenhof und Beutenmühle bei Lorch
  • Bettringen bei Schwäbisch Gmünd,

östlich flankiert von einer Gruppe um Spraitbach-Gaildorf-Rosenberg, die wohl mit den Freien der Waibelhube und dem Gericht der sogenannten Siebzehner zusammenhängen dürfte. Die Gruppe um Groß- und Kleinbettlingen, dem abgegangenen Bütensulz, dem Betzenberg bei Waldenbuch und Betzingen bei Reutlingen dürfte für die Entstehung des Namens Püttel und Püttelin in Neuffen verantwortlich sein.

Von Rottenburg zieht sich dann den oberen Neckar entlang wieder eine ausgedehnte Gruppe, um:

  • Bodelshausen
  • Bietenhausen
  • Bittelbronn bei Haigerloch
  • Betra bei Horb
  • Bittelbronn bei Horb
  • Bettenhausen
  • Betzweiler
  • Peterzell (?) bei Alpirsbach

Zu dieser Gruppegehört sich auch noch der Bereich um Herrenberg mit der 1326 erwähnten Beutenmühle und das Gebiet um Oberjettingen-Rotfelden-Rohrdorf.

Nördlich von Freiburg/Breisgau lassen sich die im Tennenbacher Güterbuch erwähnten buttel und büttinen Namen auf die freien Bauern, des um Biederbach gruppierten Freiamtes, zurückführen.

Und schließlich ist die Hegau-Gruppe, mit Bittelbrunn bei Engen, Bittelschieß bei Krauchenwies, Bietingen bei Gottmadingen und Bettmaringen bei Stühlingen, um die karolingische Pfalz Bodman gruppiert.


Die Beutellehen in Bayern und Österreich

In Oberschwaben, Ostschwaben und im Breisgau konnten wir bei den Beutel-Namen eine auffallende räumliche Nähe zu alten freiheitlichen Genossenschaften, mit eigener Gerichtsbarkeit, feststellen. Unsere Beobachtung wird durch die sogenannten Beutellehen erhärtet.

Während Eugen Haberkern und Joseph Friedrich Wallach (Hilfswörterbuch für Historiker 1, 7. Aufl., Tübingen 1987, S. 63) die Beutellehen völlig ungenügend und unzutreffend als bäuerliche Zinslehen bezeichnen, wurden sie schon 1963 von Wilhelm Abel viel exakter definiert (in: Friedrich Lütge, Geschichte der deutschen Agrarverfassung vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, Stuttgart 1963, S. 61/2). Wobei Abel bereits auf die Veröffentlichungen von L. Hauptmann, Colonus, Barschalk und Freimann (in: Wirtschaft und Kultur, Festschrift zum 70. Geburtstag von Alfons Dopsch 1938) und W. Fresacher, Der Bauer in Kärnten, I. Teil: Die persönliche Stellung des Bauern in Kärnten, 1950), zurückgreifen konnte.

Wilhelm Abel schreibt über die Beutellehen: "Seit dem 12. Jahrhundert bilden sich in Bayern und den angrenzenden Gebieten bis nach Kärnten hin Beutellehen heraus. Sie werden teils als verbauerte ehemalige Güter kleinerer Ritter und Edelleute angesehen, teils als ursprünglich ritterliche, dann aber an Bauern zu gehobenem Recht weiter verliehene Güter. Vielleicht sind sie auch als spätere Fortbildungvon ... (anderen freieigenen) Formen zu deuten; womöglich stehen alle diese Formen nebeneinander. Jedenfalls handelt es sich um auch sonst in Deutschland anzutreffende Zwischenformen zwischen ritterlichem Lehen und bäuerlichem Besitzrecht. Mit Rodungsfreiheit haben sie, zumindest im eigentlichen Bayern, offenbar nichts zu tun ... Finden sich doch gelegentlich gerade in den älteren Siedlungsgebieten besonders gute Freiheitsrechte der Bauern, wie etwa die Beutellehen und Freieigen im bayrischen Raum, während im benachbarten Neusiedlungsgebiet solche gehobenen Rechte fehlen; und die ersteren sind nicht oder nicht allgemein auf fränkische Königsfreiheit zurückzuführen."

Was Abel hier über die bayrischen Beutellehen berichtet, gilt prinzipiell auch für die Beutler-Güter des schwäbischen Raumes um Horb-Nagold-Dornstetten. Die Beutler waren weder Handwerker, noch einfache Bauern. Sie zählten zur ländlichen und städtischen Ehrbarkeit, d.h. zu einer herausgehobenen Gesellschaftsschicht. Deshalb bekleideten sie z.B. auch das Schultheißenamt in Rohrdorf und Rotfelden. Der 1432/55 urkundlich genannte Horber Bürger Klaus Butler, der mit Katharina Auldörfin verheiratet war, besaß zwar kein eigenes Siegel, galt aber im positiven Sinne als ehrbar und bescheiden.


Herkunft, Entstehung und Bedeutung des Familiennamens Beutler

Bahlow und Grimm reihen den Familiennamen Beutler in die neuzeitlichen Handwerkernamen ein und meinen, der Familienname hätte sich aus der Anfertigung von meist aus Leder bestehenden Beuteln ergeben. Zu dieser Tätigkeit des Beutelschneidens fügt Fischer noch diejenigen des Mehlbeutelns oder Mehlsiebens hinzu.

Doch die von Buck vorgenommene Ableitung der Beutenmühle von dem Schlagen, Walken und Stampfen, lehnt er ab, womit er sicher recht hat. Beutenmühlen unterscheiden sich von anderen Mühlen, z.B. den Ödenmühlen, eben nicht durch die technische Ausstattung, sondern durch ihre andere soziale und rechtliche Zuordnung. Bei der Rotfelder Ödenmühle lässt sich dieser Zusammenhang sehr schön nachweisen.

Im übrigen zeigt sich die weite geographische Streuung des Namens Beutler, von Lothringen bis Kärnten, dass er in weit zurückliegende geschichtliche Zusammenhänge zurückreicht. Aus diesen alten Verankerungen und Verwurzelungen ist dann der Name Beutler vom 14. bis 16. Jahrhundert gleichzeitig an vielen Orten als erblicher Familienname entstanden, wobei die einzelnen Namenträger gar nicht miteinander verwandt zu sein brauchen.
Bei unserem geographischen Streifzug konnten wir die Feststellung machen, dass dort, wo es besondere Verdichtungen der Namen auf beut gibt, auch alte freiheitliche Rechtsformen vorherrschen. Die Rechtsform der bayrischen Beutellehen bestätigt diese Beobachtung.

Wenn im Rotfelder Raum völlig unterschiedliche neuzeitliche Wortformen, wie z.B. der Büttinen Graben, das Betschle, der Pittels Wald, der Bettenberg, die Beutelsteig und das Beutlerholz auf dieselben sozial- und rechtsgeschichtlichen Zusammenhänge verweisen, so ist klar, dass es sich dabei um sehr alte Rechts- und Sozialformen handeln muss. Sie sind auch in der mittelalterlichen Rechtssprache enthalten, in Gebot und Verbot, in Büttel und Gebüttel, in Bieter und Gebieter und schließlich auch in Biet = Gebiet. Wobei sich die Biet und die Büttin von einer weiblichen Person als Gebieterin und Herrin herleiten.

Die sehr alte weiblich-matriarchale Rechtsform der sogenannten familie = Hausgenossenschaft ist auch im Namen Zebanasch enthalten. Der Zeban, Züban oder Zuppan entspricht dem slavischen Supan = Hausherr. Die Zupania ist die Hausherrschaft über die Schutzbefohlenen (familie), die sich vor Gericht nicht selbst vertreten können oder dürfen.
Die Beutler und ihre Vorfahren, die Ungericht und Zebanach, haben in Rotfelden, Rexingen und Oberiflingen für Kloster Stein/Rhein Rechts- und Verwaltungsgeschäfte ausgeübt.

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